Mai 2010

GSA-Initiative: "Denk KLObal, schütz den Kanal!"

6 Millionen Euro Mehrkosten werden in der Steiermark pro Jahr allein durch Fehlwürfe und unsachgemäße Entsorgung über den Kanal verursacht. „Denk KLObal, schütz den Kanal!“, eine Initiative der Gemeinschaft Steirischer Abwasserentsorger (GSA), des Landes Steiermark und des Gemeinde- & Städtebundes klärt nun auf. Ziel ist, Fehlwürfe zu verringern und mindestens 1,2 Mio. Euro, pro Jahr einzusparen!

6.500 Tonnen Rechengut, das sind 650 LKW-Ladungen, 5.300 Tonnen Kanalräumgut, das sind 530 LKW-Ladungen und hunderttausende Kubikmeter Mehrbelastung durch unerlaubte Fremdwassereinleitungen bei Regenereignissen verursachen rund 6 Millionen Euro an Mehrkosten pro Jahr allein in der Steiermark. Die Grauzone liegt mit 12 Millionen Euro fast doppelt so hoch! Enorme    finanzielle    Belastungen,    die    sich    zur    Gänze    auf    die Kanalbenützungsgebühren der steirischen Bürgerinnen und Bürger niederschlagen.

Rund 92% der Mitglieder der GSA und mehrere Gemeinden auch außerhalb der GSA, haben diese Zahlen zum Anlass genommen gemeinsam mit dem Land Steiermark, dem steirischen Gemeindebund und dem österreichischen Städtebund (Landesgruppe Steiermark) sowie einigen Wirtschaftspartnern eine beispiellose Informationsoffensive zu initiieren und zu unterstützen.
Bereits 250 Städte und Gemeinden sind über ihre zuständigen Abwasserverbände oder Genossenschaften, am Projekt „Denk KLObal, schütz den Kanal!“ beteiligt, um die Funktionsfähigkeit des steirischen Kanals auf Dauer sicherzustellen.
DI Franz Hammer, Obmann der Gemeinschaft Steirischer Abwasserentsorger: „Ziel ist die Bewusstseinssteigerung für die enorm hohen volkswirtschaftlichen Kosten − rund 6 Millionen Euro an Mehrkosten pro Jahr in der Steiermark!!! – die durch unsachgemäße Entsorgung über den Kanal (Hygieneartikel, Strümpfe, Altöle bis hin zu Tierkadaver) verursacht werden. SteirerInnen sollen zu nachhaltigem Handeln angeregt werden, um eine Werterhaltung der kommunalen Infrastruktur ‚Abwasserentsorgung’ zu gewährleisten.“

Informieren – sensibilisieren - mobilisieren
Steiermarkweit wird mittels Inserate, Informationsfolder, Projekte, Tag der offenen Tür in Kläranlagen und Kooperationen mit Wirtschaftspartnern (Kinos, Restaurants, Bahnhöfe, etc.) informiert und das Kanalbewusstsein gesteigert. Dadurch soll in der Bevölkerung ein Umdenken erreicht und Fehlwürfe reduziert werden.
Michael Lechner, Initiator der Kampagne: „Mit diesen Maßnahmen wollen wir für die ersten beiden Jahre ein jährliches Einsparungspotenzial von mindestens 20% der Mehrkosten, also 1,2 Million Euro, erreichen. Ab dem dritten Jahr sollten es schon 40% sein. In 10 Jahren sollte die Einsparungsmöglichkeit dann bei ca. € 20,4 Mio. liegen. Das ist unser Mindestziel.“

Abwasserableitung und -reinigung in der Steiermark
Laut Statistik (Steirische Statistik, Heft 1/2010) haben die SteirerInnen zur Wasserqualität der heimischen Seen und Flüsse (98,7%) und insbesondere zur Trinkwasserqualität (99,4 %) eine besonders gute Meinung.
Ing. Mag. Manfred Wehr, Vorstandsdirektor Stadtwerke Judenburg AG: „Nur eine geordnete Abwasserableitung und Abwasserreinigung gewährleistet auf Dauer eine hohe Wasserqualität. Es ist großartig, wie mit der Initiative der GSA erstmals über die enorme Bedeutung aufgeklärt und zu richtigem Verhalten mobilisiert wird.“
Rund 4 Milliarden Euro wurden bisher in Steiermark in diese bedeutende kommunale Daseinsvorsorge investiert. Der Entsorgungsgrad beträgt in der Steiermark bereits mehr als 90 Prozent.
Dem stehen jedoch gegenüber, dass die großen unterirdischen und kostspieligen Leitungslängen und Anlagen(teile) von den SteirerInnen kaum wahrgenommen werden und imagemäßig eher negativ besetzt sind. Außerdem wird der Kanal in vielen Fällen missbräuchlich als „billige Müllentsorgung“ (= Fehlwürfe) sowie für das widerrechtliche Einleiten von Oberflächen- bzw. Drainagewässern verwendet. Das führt zu enormen – nicht notwendigen – volkswirtschaftlichen Kosten die durch Kanalgebühren finanziert werden müssen.

Das WC ist kein Mülleimer!
Die Ursachen für derartig hohe Mehrkosten liegen in Fehlwürfen von z.B.: − Speisereste, Frittieröle und andere Fette, die nicht selten zu
Geruchsbelästigung und Rattenplagen führen − Gifte, Chemikalien, Motor- und Getriebeöle, die im Betrieb der
Abwasserreinigungsanlagen die Mikroorganismen zerstören −    Bekleidungsstücke wie z.B. Strümpfe, Unterwäsche, Socken etc., −    Hygieneartikel wie z.B. Binden, Tampons, Windeln −    Katzenstreu und andere Feststoffe, Tierkadaver wie z.B. Katzen, Hamster −    Zement, Mörtelreste sowie Bauschutt oder Schotter −    Gebisse, Batterien, Handys und Brillen − Kurios: Sogar ein halbes Schwein und ein über 30 Meter langer Gartenschlauch wurden bereits über die Kanalisation entsorgt!
Unerlaubte Fremdwassereinleitungen im Trennsystem Jede Einleitung von Niederschlagswässern (z.B. Dachrinnen) ist strengstens verboten und hat in Extremsituationen (Hochwasser nach starken Regenfällen) gravierende Folgen! Es kommt zur Überlastung der Kanalanlagen, da die Kanalisationsanlagen sowie die Pumpstationen für solch zusätzliche Wassermengen nicht ausgelegt sind. In der Kanalisation entsteht ein Rückstau, der sogar zu Überflutungen von tieferliegenden Objekten führen kann.
Johann Mayer, Geschäftsführer Abwasserverband Grazerfeld und Bürgermeister von Hengsberg: „Die Folgen zeigten die Unwetter im Sommer 2009 deutlich: im südlichen Grazerfeld waren hunderte Häuser überflutet, Straßen unpassierbar und Menschen verletzt worden – auch Hengsberg blieb nicht verschont. Zum Schutz aller GemeindebürgerInnen ist es wichtig, dieses Projekt voll zu unterstützen!“

Informationsoffensive „Denk KLObal, schütz den Kanal“
Zahlen, Daten, Fakten:
Initiatoren: GSA, Land Steiermark, Gemeinde- und Städtebund Zeitraum: 2010 bis 2012, Steiermarkweit Ziele:
  • Sensibilisierung der Bevölkerung hinsichtlich Abwasser und Kanal • Information und Aufzeigen der Auswirkungen von Fehlwürfen und Fremdwassereinleitungen
  • Bewusstseinsbildung und Anregen zu nachhaltigem Denken und Handeln •    Mobilisierung zu einem verbesserten Entsorgungsverhalten
  • Imageverbesserung
  • Darstellen der Aktivitäten von Abwasserreinigungsunternehmen
  • Bürgermeister-Paket: Brief, Infofolder, Plakate, Inseratvorlagen, CD-Rom
  • Steiermarkweite PR- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Tag der offenen Tür – Steiermarkweit: Kläranlagen bzw. Kanal
  • Aktivitäten in Schulen: Projekte, Information, Unterrichtsmaterial
  • Internetauftritt: Videos hochladen, Kanal-Netzwerke, Chat u.a.
  • Aktionen in öffentlichen Toiletten: Aufkleber, WC-Sprüche, Toilettenpapier
  • Kooperationen Schulen, Bahnhöfe, Kinos, usw.

Die Gemeinschaft Steirischer Abwasserentsorger
Im Jahre 1993 wurde auf Initiative von Verantwortlichen der steirischen Siedlungswasserwirtschaft die Arbeitsgemeinschaft Steirischer Abwasserverbände – ASAV gegründet. Sie war eine lose Plattform, deren Ziel es war, gemeinsame Interessen zu verfolgen und zu vertreten und gemeinsame Initiativen zu setzen
2002 hat sich die GSA als Nachfolge der ASAV als Verein konstituiert; ihm können alle steirische Abwasserentsorger (Gemeinden, Verbände, Genossenschaften, juristische Personen) als Mitglieder angehören. Derzeit umfasst die GSA 73 Mitglieder (49 Abwasserverbände, 10 (Stadt-) Gemeinden, 12 Abwassergenossenschaften, 2 juristische Personen (= Stadtwerke)).

Bild: vlnr: Michael Lechner, Initiator der Kampagne, Ing. Mag. Manfred Wehr, Vorstand der Stadtwerke Judenburg AG, Bgm. Johann Mayer, GF Abwasserverband Grazerfeld, Bgm. von Hengsberg, DI Franz Hammer, Obmann der Gemeinschaft Steirischer Abwasserentsorger



Bild: vlnr: DI Franz Hammer, Obmann der Gemeinschaft Steirischer Abwasserentsorger, Michael Lechner, Initiator der Kampagne, Ing. Mag. Manfred Wehr, Vorstand der Stadtwerke Judenburg AG, DI (FH) Sigrid Bartelme, Saubermacher Aqua Services, Hans Roth, CEO Saubermacher Dienstleistungs AG, Bgm. Johann Mayer, GF Abwasserverband Grazerfeld, Bgm. von Hengsberg

Bildnachweis: Stuhlhofer

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